rainer rosenberg

 

 

 

Hauptsache es rollt

 

 

 

 

 

 

Drei Hochzeiten und ein Motorschaden.

19.9.2019

 

Nein, ich bin kein Freund langen Vorausplanens. Wer weiß, was morgen ist. Außer, dass aus morgiger Sicht heute gestern sein wird.

Ich habe nie verstanden, wie eine Opernsängerin damit leben kann zu wissen, was sie heute in zwei Jahren wo singen wird. Oder soll ich sagen, wo angenommen, wird, dass sie singt? Sie könnte ja indisponiert sein, ein Kind erwarten. Nur aus Lust und Laune etwas anderes machen? Das ist nur schwer möglich. Da wurden Verträge unterzeichnet, Pläne geschmiedet, von denen andere abhängen.

Ich fand nichts dabei, glücklich angestellt zu sein, ungefähr zu wissen, was mich erwartet im Leben, aber welche Sendung machen, das sollte doch vom Tagesgeschehen abhängen, zumindest von einer grundsätzlichen Aktualität.

Was aber, wenn man an Ereignissen teilnehmen will, die lange vorausgeplant werden. Weil es nicht anders geht. Weil zum Beispiel eine Rennstrecke gemietet werden muss, damit Menschen wie ich im Kreis um die Wette fahren können. Das braucht ganz einfach Vorausschau und Planungssicherheit. Es gibt also einen Terminplan, man kann mit Terminen rechnen und erwartet auch, dass all die Kolleg*innen auch da sein werden, man hofft es zumindest, denn im Kreis fahren ist ja auch das Treffen von Freund*innen. Und dann fehlt jemand, harmlos, wenn wie bei mir ein Verhinderungsgrund eintritt, tragisch, wenn z.B. Auguste niemals mehr kommen kann oder Otto. Beispiele dafür, dass Planungen obsolet werden können. Also kein Jammern über Verhinderung, aber sehr wohl Trauer um die, die ganz einfach nicht mehr da sind.

 

Aber die Überschrift heißt ja nicht drei Hochzeiten und zwei Todesfälle, sondern drei Hochzeiten und ein Motorschaden, das ist jedenfalls meine Bilanz der heurigen Saison des im Kreis Fahrens. Alex (das Auto aus Kanada) und ich mussten sich erst aneinander gewöhnen – kann man denn das so formulieren? Man kann, aber ist das nur im Entferntesten richtig?

 

 

Ich nannte Alex manchmal „Hübschi“, weil er schöner war als schnell, mit seinem halben Jahrhundert auf dem Lenkrad? Es galt einige kleine Fehler zu finden und er lief immer besser. Die erste Hochzeit war an keinem Rennwochenende, dafür in Italien. Sehr schön. Bis dahin, lief Alex recht angenehm, die Probleme waren überschaubar und wurden bewältigt, dann kam Hochzeit zwei – ich durfte Trauzeuge bei meinem Trauzeugen sein und der Text aus dem alten Testament (der Text aus dem Buch Kohlet/Prediger auch gesungen von „The Byrds“ mit dem Titel Turn Turn Turn) der gerne bei Hochzeiten und Eheschließungen gelesen wird – Alles hat seine Zeit… in einer Übertragung ins wienerische von Lui Dimanche heißt es „Love me hat sei Zeit und Leck mi hat sei Zeit“. „Love me“ also für Hochzeit statt Rennen und „Leck mi“ für Motorschaden statt Rennen.

 

 

Also drei Ausfälle, zwei der Liebe wegen, der andere wegen Motorschaden. Dann kam zum Glück die Sommerpause und der Motor wurde zerlegt, defekte Teile getauscht, zusammengebaut, ein Überhitzungsverhinderungskühler wurde eingebaut und am Freitag wird das erste Mal gefahren.

In Salzburg. Mit dem 50 Jahre alten Auto, am Ring, der 50. Geburtstag feiert. Ich wünsche allen das Beste. Mir auch, bin ja ein Teil von allen.

 

 

 

Einen Blumentopf gewinnen

31.7.2019